Hier stellt Ihnen/Euch der Pfarrgemeinderat von Sankt Familia
die Gemeindeordnung vor, die er entwickelt hat.
"Ordnung" – das meint eine existenzielle Vision,
eine entscheidende Orientierung für die Zukunft unserer Gemeinde.

Was immer Sie/Euch an Nachfragen, Ideen, Meinungen, Zweifeln zur neuen Gemeindeordnung bewegt, schreibt es an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!! Herzlichen Dank!

Hier ist der Text in der aktuellen Fassung vom 10. Januar 2017 online gestellt:
 

Gemeindeordnung
der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Familia, Kassel

VON DER MITVERANTWORTUNG ZUR VERANTWORTUNG

Vorlage für die Gemeindeversammlung am 7. März 2017

 


 

Übersicht:


Präambel | Gemeindefreiheit und Gemeindeordnung

a. Wie wir uns als Gemeinde verstehen und welche Fragen wir haben

Die Gemeinde Sankt Familia versteht die Fragen und Veränderungen unserer Zeit nicht nur als Krise, sondern ebenso als Zeit, gemeinsam in die Zukunft zu gehen und in der Gestaltung des Gemeindelebens neue Ideen auszuprobieren.

Wir fragen nach der Zukunft von Kirche und Ortsgemeinde. Beide müssen sich den vielfältigen Veränderungen stellen, die uns schon lange Zeit beschäftigen.

Seit Jahren leben wir ein partnerschaftliches Miteinander von Gemeindeleitung und Gemeindemitgliedern. In vielen Bereichen wird Verantwortung delegiert, die Charismen von Gemeindemitgliedern werden wahrgenommen und kommen zum Einsatz.

Diesem lebendigen Gemeinde-Organismus wollen wir in unserer neuen Ordnung einen strukturellen Ausdruck geben, um auch dann lebendig zu bleiben, wenn Priester und Hauptamtliche in Zukunft für mehrere Gemeinden zuständig sind und in der einzelnen Gemeinde weniger zentrale Rollen spielen.

Mit der neuen Gemeindeordnung wollen wir die „Dialogstruktur“ (das partnerschaftliche Miteinander) unserer Gemeinde festigen und weiterentwickeln. Wir wollen in den nächsten Jahren einüben, wie uns das am besten gelingt. Dafür bietet uns die neue Gemeindeordnung Orientierung und Leitlinien.

b. Wer alles an der neuen Gemeindeordnung mitgearbeitet hat

Die neue Gemeindeordnung ist das Ergebnis eines intensiven Gedankenaustauschs zwischen 2012 und 2015 bei Sitzungen und Klausurwochenenden des Pfarrgemeinderats Sankt Familia. Der Arbeitskreis „Gemeindeentwicklung“ hat dafür die Vorlagen und weiterführenden Fragen erarbeitet. Der ab November 2015 neu gewählte Pfarrgemeinderat hat sich weiter intensiv mit dem hier vorliegenden Text beschäftigt und ihn sich zu eigen gemacht.

c. Wie der Text der neuen Gemeindeordnung aufgebaut ist

Nach der Präambel beschreibt die neue Gemeindeordnung zuerst die Hauptaufgaben des Pfarrgemeinderates und des Verwaltungsrates im Rahmen der Satzungen und Statute des Bistums Fulda. Darauf folgt die Beschreibung der wesentlichen Aufgaben von Pfarrer und Hauptamtlichen.

Eine wichtige und neue Rolle nehmen zukünftig die „Beauftragten“ ein. Was wir darunter verstehen, wen wir damit meinen und welche Aufgaben wir den „Beauftragten“ zumessen, ist Inhalt des vierten Punktes.

Die neuen Aspekte in den Aufgabenbereichen von Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat skizziert Punkt V.

Neu gestaltet wird die gemeinsame Gemeindeleitung durch Pfarrer, Haupt- und Ehrenamtliche. Wie wir das aufbauen und einüben wollen, ist Thema in Punkt VI.

Abschließend (als Zusatz zur Gemeindeordnung) blicken wir noch auf die nächsten Jahre mit den Fragen: Wie wollen wir die nächsten Schritte reflektieren? Wie wollen wir „rufen/berufen“ lernen? Wie gestalten wir das Geistliche Jahr, das die praktische Umsetzung der neuen Gemeindeordnung begleitet und im Gemeindeleben verankert?

d. Ab wann die neue Gemeindeordnung gilt

Die neue Gemeindeordnung ist vom Pfarrgemeinderat Sankt Familia Kassel in seiner Sitzung am Montag, 12. Oktober 2015 beschlossen worden. Der ab November 2015 neu gewählte Pfarrgemeinderat hat diese Fassung übernommen und am „PGR-Wochenende“ 1. bis 3. Juli 2016 an einigen wenigen Stellen überarbeitet.

Die neue Gemeindeordnung tritt nach Zustimmung der Gemeinde und des Bistums in Kraft.

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I. Der Pfarrgemeinderat (PGR) | Grundaufgaben

Der Pfarrgemeinderat nimmt das Ganze der gemeindlichen Pastoral in den Blick. Er berät sich zu allen Themen und Projekten, mit denen die Kirche vor Ort Gestalt annimmt, und trifft die dafür notwendigen Entscheidungen. Der Pfarrgemeinderat unterstützt den Pfarrer und die Hauptamtliche(n) bei ihrer Arbeit und hat für die Durchführung der verabredeten Vorhaben Sorge zu tragen (siehe Satzung für die Pfarrgemeinderäte in der Diözese Fulda).

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II. Der Verwaltungsrat (VR) | Grundaufgaben

Der Verwaltungsrat verwaltet das kirchliche Vermögen in der Kirchengemeinde. Er vertritt die Kirchengemeinde in Bezug auf das Vermögen (siehe Satzungen und Statute über die Verwaltung und Vertretung des Kirchenvermögens in der Diözese Fulda).

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III. Pfarrer und Hauptamtliche | Grundaufgaben

Der Pfarrer ist Spiritual der Gemeinde. Er leitet die Eucharistiefeier, verantwortet die Wortverkündigung und die Spendung der Sakramente. Er leistet Seelsorge, ist Teil der Gemeindeleitung, trägt zur Vernetzung der einzelnen Gruppen und Gemeindemitglieder bei und steht Ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Hauptamtliche und Pfarrer bringen zusammen ihre fachliche Kompetenz bei der Unterstützung, Förderung und Beratung der Ehrenamtlichen ein. Wesentliche Aufgabe ist die persönliche und fachliche Unterstützung der Verantwortlichen des Gemeindelebens.  Gemeinsam begleiten und fördern sie den geistlichen Prozess in der Gemeinde.

Für Pfarrer und Hauptamtliche in Sankt Familia ist die neue Gemeindeordnung bindend.

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IV. Die Beauftragten | Auftrag und Amt

Zukünftig wird der Pfarrgemeinderat in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat für jeden der vier Grundvollzüge einer Gemeinde eine/n Beauftragte/n berufen:

- martyria (Zeugnis, Verkündigung, Verbreitung des Evangeliums)
- liturgia (Gottesdienst, Gebet, Eucharistie)
- diakonia (Dienst am Menschen, Linderung von Not und Armut)
- koinonia (Gemeinschaft in der Gemeinde)

Aufgabe des oder der Berufenen in ihrem oder seinem jeweiligen Bereich ist es, das Gemeindeleben in einem der vier Grundvollzüge lebendig zu halten, zu fördern, zu inspirieren, zu koordinieren oder auch als Erste/Erster Hilfebedarf zu erkennen.

Wir meinen mit „Beauftragte“ Menschen, die gut in der Gemeinde und im Glauben verankert sind und Verantwortung für einen klar bestimmten Bereich übernehmen. Sie bringen die Bereitschaft und Fähigkeit zur Kooperation mit und gestalten ihr Leben und ihr Engagement aus dem Glauben heraus. Dadurch werden sie von „Zuträgern“ zu „Trägern“ der (Orts-)Kirche.

Die Wahrnehmung dieses Amtes kann durch eigene Angebote geschehen oder durch Absprache mit anderen Ehrenamtlichen und auch durch diese. Die Beauftragten verstehen sich als Ermöglichende. Sie berichten dem Pfarrgemeinderat über Entscheidungen und Entwicklungen in ihrem Bereich.

Die Beauftragten treffen sich regelmäßig und unterstützen sich gegenseitig. Sie sind Ansprechpartner/innen für alle, die in ihrem Bereich aktiv sind oder ein Anliegen haben. Die Beauftragten sollen (immer mehr) diejenigen werden, die Aufgaben auf ein Ziel hin bündeln und koordinieren und Menschen miteinander vernetzen. Sie helfen bei Entscheidungen und deren Ausführung. Entscheidungen werden in den Gruppen einvernehmlich getroffen.

Die Beauftragten nutzen die fachliche und spirituelle Begleitung durch den Pfarrer und die Hauptamtlichen und arbeiten mit ihnen zusammen.

Die Beauftragten werden für vier Jahre beauftragt. Eine Wieder-Beauftragung ist möglich.

Die Gemeinde bittet den Bischof um seinen Segen für die von der Gemeinde Beauftragten. Dadurch wird deutlich, dass sie im kirchlichen Auftrag handeln und die Unterstützung des Bischofs haben, dem die Gesamtsorge für das Bistum anvertraut ist.

Jede/r, die/der sich sichtbar und glaubwürdig als Gemeinde-Mitglied bekennt und engagiert, kann beauftragt werden. Eventuell ist eine entsprechende Fortbildung sinnvoll. Zahlreiche Angebote des Bistums stehen dafür zur Verfügung.

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Rufen, berufen, dienen, ermöglichen
                | neue Aufgaben von PGR und VR

Zum Selbstverständnis von Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat gehört zukünftig eine dienende, helfende, ermöglichende Funktion gegenüber den Beauftragten. Fester Tagesordnungspunkt beider Gremien soll die Frage nach den aktuellen Anliegen der Beauftragten und Hauptamtlichen sein.

Der Pfarrgemeinderat wählt in Abstimmung mit dem Verwaltungsrat vier Beauftragten aus, möglichst einmütig, mindestens mit Zweidrittel-Mehrheit und beauftragt sie. Jedes Gemeindemitglied kann jemanden vorschlagen. Die Beauftragten werden zu jeder PGR-Sitzung eingeladen.

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V. Gemeinsame Leitung der Gemeinde | Leitidee und Praxis

Auf der Grundlage der Präambel und der Punkte I. bis V. streben wir eine gemeinsame Leitung der Gemeinde durch Pfarrer, Haupt- und Ehrenamtliche als Seelsorgeteam an.

In einem ersten Schritt wird das Zusammenwirken von Beauftragten, Pfarrgemeinderat, Verwaltungsrat, Pfarrer und Hauptamtliche aufgebaut und eingeübt. Die im bisherigen Gemeinde-Entwicklungsprozess entstandenen Ideen und Überlegungen fließen in den Aufbau der gemeinschaftlichen Gemeindeleitung mit ein.

Weitreichende Entscheidungen für die Gemeinde werden gemeinsam besprochen und getroffen.

Dabei gilt es auch ein gutes und wirksames Zusammenspiel (Absprachen, gemeinsame Sitzungen etc.) der Gremien und Arbeitskreise aufzubauen, ein Zusammenspiel, das dem offenen und einladenden Charakter des ehrenamtlichen Engagements in Sankt Familia und den Ressourcen der beteiligten Personen gerecht wird.

Mit dem Aufbau des Seelsorgeteams als gemeinsamer Gemeinde-Leitung beginnt der im November 2015 neu gewählte Pfarrgemeinderat.

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Ausblick |

a. Information über die neue Gemeindeordnung
         für die Gemeinde und Abstimmung mit dem Bistum

Diese vom PGR beschlossene neue Gemeindeordnung wird der Gemeinde vorgestellt. In einer öffentlichen Veranstaltung haben alle Gemeindemitglieder die Möglichkeit, Zustimmung und Bedenken, Kritik und Anregungen vorzubringen. Diese Beiträge fließen in die ‚Einübung‘ der neuen Gemeindeordnung und in die Gestaltung des geplanten „Geistlichen Jahres“ mit ein.

Die neue Gemeindeordnung wird auch mit dem Bistum abgestimmt.

b. Aufbauen, Einüben, Reflektieren der neuen Gemeindeleitung

Wie im bisherigen Entwicklungsprozess werden auch in Zukunft die entschiedenen und gemachten Entwicklungsschritte mit Unterstützung eines externen Moderators reflektiert.

c. Rufen und Beauftragen lernen

Menschen unserer Gemeinde zu berufen, die willens und fähig sind, in den Grundvollzügen unseres Gemeindelebens aktiv zu werden und dafür Verantwortung zu übernehmen, ist leichter geschrieben als getan. Wie finden wir Menschen dafür? Welche Persönlichkeiten brauchen wir? Wie reden und entscheiden wir darüber? Wie sieht ein Gottesdienst aus, in dem die gerufenen Menschen berufen, gesegnet und mit ihrem Auftrag ausgesendet werden? Das bedarf neuer Ideen und einer guten, gründlichen Klärung.

d. Das geistliche Jahr

Neben dem Aufbau und dem Einüben einer gemeinsamen Gemeindeleitung wird ein „Geistliches Jahr“ zur Gemeindeerneuerung gestaltet. Das „Geistliche Jahr“ dient dazu, unsere neuen Strukturen von Gemeindeleitung an Gott festzumachen und nicht in einen Aktionismus zu geraten. Es geht auch darum, den Menschen unserer Gemeinde diese Schritte vom Glauben her zu erschließen und ihre eigene innere und äußere Beteiligung zu fördern.

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verantwortet die Wortverkündigung und die Spendung der Sakramente. Er leistet Seelsorge, ist Teil der Gemeindeleitung, trägt zur Vernetzung der einzelnen Gruppen und Gemeindemitglieder bei und steht Ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung.